Norwegen: Bergen-Kirkenes-Bergen – die Winterreise mit Hurtigruten Teil 1908.03.12 über Hammerfest nach Tromso Trotz dem Sturm habe ich tief und fest geschlafen. Jetzt stehe ich auf Deck und blinzle in die aufgehende Sonne. Es ist kurz nach Neun, Honningsvag – der Ausgangspunkt für die Nordkap-Touren – und Havoysund haben wir bereits angelaufen.
Der Tag wird zunehmend sonniger.
Gegen 11:00 passieren wir die weltgrösste Erdgasverflüssigungsanlage und sind eine Viertelstunde später in Hammerfest, das sich in schönstem Sonnenlicht und unter wolkenlosem Himmel präsentiert.
Der Tag ist wie gemacht für unser Vorhaben: Wir wollen in den eineinhalb Stunden Liegezeit den steilen, aber kurzen Sikk-Sakk Veien, der seinem Namen nach verläuft, auf den 86 m hohen Salen hinauf, von wo man einen wunderbaren Ausblick auf die gesamte Bucht haben soll. Die Ausschiffung verzögert sich diesmal, weil jemand vor dem Ausgang kollabiert und zuerst versorgt werden muss. Nach kurzer Zeit kann der Mann wieder aufstehen, und in der Zwischenzeit haben wir ein Paar getroffen, das mit uns auf den Salen will. Wir kommen am legendären Eisbärenclub vorbei, den wir uns auf dem Rückweg näher anschauen wollen. Ohne Probleme finden wir den Anfang des gesuchten Weges, und wie es aussieht, ist er kaum vereist; auf diese Gefahr wies der Reiseführer hin. Wir beschliessen also, da hinauf zu gehen, als uns ein Norweger auf Englisch anspricht und uns warnt, dass es oben recht viel Eis haben könnte und sich anbietet, uns mit seinem Auto auf der Strasse hinaufzufahren, was gar keine Umstände mache. Er baut noch schnell den Kindersitz aus, wir quetschen uns ins Auto und dann geht es auch schon los. In zehn Minuten sind wir oben und der nette Mann fragt, ob er warten solle, oder ob wir den Weg runter zu Fuss gehen wollten, der – wie es aussehe – gut zu bewältigen sei. Da wir alle vier noch fotografieren wollen, entscheiden wir uns für den Weg und schon ist unser Chauffeur wieder weg. Es sind auch noch zwei Busse mit Touristen hier. Wir geniessen die Aussicht über die nördlichste Stadt der Welt mit ihren 6500 Einwohnern. Sie liegt auf demselben Breitengrad wie die nördlichsten Gebiete Sibiriens, der nördlichste Punkt Alaskas (Point Barrow) und die Mitte Grönlands – aber dank dem Golfstrom ist es hier zum Glück deutlich wärmer!
Jetzt ist es kurz nach 12:00, um 12:45 legt die Trollfjord wieder ab, der Abstieg soll 15 Minuten dauern, also haben wir genügend Zeit. Nach der ersten Wegbiegung die Überraschung: Der Weg hört plötzlich auf, da ist nur noch knietiefer Schnee und keine Spuren. Nicht nur das Gehen ist extrem mühsam, wir wissen nicht einmal wohin! Wir kehren um und hoffen, dass die Busse noch da sind, die uns mitnehmen könnten. Fehlanzeige: Wir sind hier ganz alleine und sehen auf unser Schiff im Hafen hinunter, das in einer halben Stunde weiterfährt. Auf verspätete Passagiere wird grundsätzlich nicht gewartet, die müssen selber schauen, wie sie zum nächsten Hafen kommen, wo sie wieder einsteigen können. Auf der Strasse schaffen wir es zu Fuss unmöglich rechtzeitig, aber vielleicht können wir ein Auto anhalten? Da sehen wir beim geschlossenen Restaurant zwei Handwerker-Wagen. Dann können die Leute ja auch nicht weit sein. Wir finden die zwei, erklären ihnen unsere verzwickte Lage und sie sind sofort bereit, uns zum Kai zu fahren. Sie haben sowieso jetzt Mittagspause und wollen was essen gehen – sagen sie. Wir dürfen einsteigen und sie fahren uns direkt zum Schiff, wo wir um 12:35 eintreffen. Das reicht ja direkt noch für ein Foto des Eisbären vor dem Club, aber zu wirklich nichts weiterem mehr.
Jetzt brauche ich dringend einen Kaffee und Nervennahrung! Während ich vor einem gut gefüllten Teller mit Leckereien vom Dessertbuffet sitze, und immer noch das herrliche Gefühl von Erleichterung verspüre, tatsächlich doch noch auf dem Schiff zu sein, gleitet die Trollfjord auf dem Soroysund zwischen den Inseln Soroya und Seiland hindurch nach Oksfjord, wo wir um 15:30 ankommen.
Eine Viertelstunde später nimmt das Schiff Kurs auf Skjervoy und in die einsetzende Dämmerung, vorbei an einer wunderbaren Gletscherwelt.
Um Mitternacht legen wir dann in Tromso an.
11.11.2012, 21:38 von Karin |
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