Sonntag, 19. November 2017, 15:15
 

Was ist Fremdschämen? Wenn man sich für Markus Lanz schämt!

Dieser Lanz ist eine Zumutung vom ZDF und wenn eine Sendung so lange dauert, wie eine übliche „Wetten, dass? Sendung“, steigert sich die Zumutung zur Qual bis hin zum Merkmal Fernseh-Folter, wenn man die verlegte Fernbedienung nicht schnell genug findet um diesem Spuk eine Ende zu bereiten. Was hat sich das ZDF dabei gedacht, als sie nach monatelanger erfolgloser Suche diesen Plappermaul-Oscar und möchte-gern-Gottschalk-Nachfolger aus dem Hut holte?

Es wäre besser gewesen diesen erkennbaren Fehlgriff zu unterlassen. Lanz ist ein penetranter Selbstdarsteller. Bei diesem  Kriterium unterscheidet er sich allerdings nicht gross von seinen Talkshow-Moderatoren-Konkurrenten. Jeweils bereits nach kurzer Moderations-Lernzeit neigen Moderatoren dazu ihre Hauptaufgabe zu vergessen: Gäste zu interessanten und soweit möglich zu „neuen persönlichen“ Aussagen zu bringen. Stattdessen ist es gang und gäbe, dass Moderatoren ihre sehr gut bezahlte TV-Auftritts-Aufgabe darin sehen, persönlich möglichst viel Kamerazeit auf sich zu ziehen um im Bild die Rassel-Quassel-Sprechblasen-Fähigkeiten festzuhalten. Dabei dürfen Gäste durchaus schlecht aussehen und die Moderatoren-Spässe dienen dazu, das Fernsehvolk billig zu unterhalten indem über die Gäste möglichst viel gelacht werden kann. Moderatoren als Strahllichter und die Gäste als unterbelichtete Normalbürger.

Lanz praktiziert dies laufend in seinen Sendungen und „nur“ mit Promis mit echter Statur geht Lanz korrekt um, weil man ja während oder nach der Sendung noch darauf scharf ist das Du-Austausch-Okay als Politur fürs eigene Image abzuholen. Und Promis mit aktuellem Auftrittsgewicht muss man auch bei Laune halten, damit sie für eine Folgesendung wieder zur Verfügung stehen.

Den wenigsten Lanz-Gästen wird dieser Gast-Respekt zuteil. Häufig ist er einfach der König-Lanz, der sich mit der ZDF-Marke am Rücken, als ungehobelter Besserwisser präsentiert, der wenn es sein muss auch dümmlich lächelnd Fragen zu Intimbereichsfragen (Einkommen, Sexaspekte) wiederholt, zu denen Gäste klar signalisieren, dass sie sich nicht äussern möchten. So finde ich im Fernsehen die Frage nach Einkommensaspekten zwecks Anprangerung von Einkommensrelationen im z. B. Vergleich zur Discountmarkt-Kassiererin deshalb von Lanz und Kollegen ungehörig, weil diese Personen alle über äusserst lukrative Entlohnungs-, besser Belohnungs-Konditionen verfügen, die eben auch aufzeigen wie leicht mit Rassel-Quassel-Dampf das Vielfache vom Einkommen normaler Arbeitnehmer verdient werden kann. Vermutlich verdienen 90 Prozent der Arbeitnehmer sehr viel weniger als Lanz.

Nicht nur Politiker sollten preisgeben müssen, was sie verdienen. Die Honorierung von Lanz und anderer Blödel-Barone im TV, sollten von Sendern bekanntgegeben werden müssen. Das Lachen der Leute würde vielen im Halse stecken bleiben. Zumindest bei den öffentlich rechtlichen Sendern, den dort bezahlen ja die Gebührenzahler den zugelassenen Schwachsinn.  Wenn das ZDF Cindy aus Marzahn als Assistentin von Lanz installiert, ist dies als Gipfel des Schwachsinns zu sehen, was man aus „Wetten, dass?“ machen will.  


Zu viel Geld bekommt Lanz für die bezahlte Rolle als Selbstdarsteller. Dabei ist es hanebüchen, welchen Stuss Lanz in seiner Sendung „Lanz kocht“  öffentlich erzählen darf. Lanz hat nicht nur keine Ahnung vom Thema Kochen sondern es ist einfach immer wieder peinlich, wie naiv und blank jeder Kochpraxis er sich einmischt. Dabei kostet jeder S……Satz von Lanz den Gebührenzahler hunderte von Euro. Pro Satz, nicht pro Sendung.    


Ich habe vergangenen Samstag „Wetten, dass …? Mit Lanz“ praktisch nicht gesehen, weil ich mir die „TV-Konsum-Zeit“ für Kommissarin Lund aufgespart habe. Doch das gelegentlich Betreten des Zimmers mit dem laufenden Fernseher und das Verweilen für eine Espresso-Länge haben gereicht, um einen Eindruck von diesem Unterhaltungsdesaster mitzuerleben. So habe ich denn auch für Frau Relax herumgezappt, da aber für sie Krimis keine Alternative sind und das kurze Verbleiben bei dem RTL-Super-Talent auch durchfiel, wurde beschlossen den Fernseher ganz abzuschalten. Allerdings war dann doch der Wunsch da, den Auftritt von David Garrett mitzunehmen, wodurch die Situation von der freiwillig in Kauf genommener Lanz-Folter entstand.

Auch Plappermaul Tommy Gottschalk konnte einen phasenweise nerven, mit Schnellschüssen aus der Hüfte, die ohne Substanz waren und zum Kopfschütteln anregten. Aber parallel war (ist!) Gottschalk  auch ein Sonnyboy-Unterhalter, der Kopfschüttel-Resultate wieder durch Charme, gute Pointen und Schmunzeln-Beiträge kompensierte. Vor allem aber hat es Gottschalk immer unterlassen sich persönlich, mit eigenen Worten oder unübersehbar angebotenen Schlussfolgerungen, als Super-Moderator hinzustellen. Bei diesem Persönlickeits-Merkmal glänzt Gottschalk und Lanz sieht dagegen elend schwach aus.

Gottschalks Umgang mit den eingeladenen Stars war immer elegant und eloquent und er hat mit Detailkenntnissen zum Werdegang und der aktuellen Fan-Beachtung der Stars Bescheid gewusst, während sich Lanz in Eigenregie primär als Gleicher-unter-Gleichen in Szene setzt. Lanz ist aber nur ein Dampf-Plauderer aus der deutschen Provinz, der von Stars aus dem Ausland aus der ersten Liga, doch nicht gleichberechtigt wahrgenommen wird. Lanz who? ist sicher eine gängige Frage in Hollywood beim Namen Lanz.


Den Titel für diesen Blogbeitrag habe ich in abgeänderter Form von der heutigen TV-Kritik im Spiegel abgeleitet. Nachfolgend führt ein Link zum Spiegel-Volltext. Für meine Aussage zur Selbstdarstellung von Lanz und vor allem zur „Fremdscham für Lanz“ werden hier Sätze aus dem Spiegel wiedergegeben.

[…] Erinnerung an all die Momente der Fremdscham sein, die so ein dreistündiger Lanz-Marathon produziert.

"Ist es wahr, dass Sie den Geruch von frisch gebratenem Fleisch lieben?" (Frage an Halle Berry, die im Hinblick auf das gegebene Sendegefäss, von der Frage überascht war und nicht weiter wusste, bis sie Tom Hanks mit einer Beistandsantwort erlöste)

Wundern und Zumutungen über sich ergehen, von denen der Moderator der Sendung zu den größeren gehört. "Tänzerin, Halle Berry?" []…]

(Lanz hat wohl noch nie gehört, dass Halle Berry ein Weltstar ist! Lanz dagegen ein Provinz-Klamauk-Onkel.)


[…] Wie er bei einer Wette, bei der ihm (Lanz) der Daumennagel grün lackiert wurde, den sorgfältig ausgedachten Spruch, dass er nun seiner Mutter zeigen könne, dass er einen grünen Daumen hat, sicherheitshalber zweimal sagte, weil er nicht wusste, ob er beim ersten Mal untergegangen war

Lanz war wild entschlossen, sehr ernsthaft wie jemand zu wirken, der großen Spaß hat, und überlachte demonstrativ jede Sekunde, in der der - berechtigte - Eindruck entstehen konnte, es sei gerade nicht richtig lustig. […]

Spiegel Online 04.11.2012  
 

"Wetten, dass..?" mit Markus Lanz Momente der Fremdscham

Von  Stefan Niggemeier

Für die US-Prominenz muss die dreistündige Sitzung auf dem "Wetten, dass..?"-Sofa wie ein Trip in eine fremde skurrile Welt sein. Viel trägt das seltsame Auftreten von Moderator Markus Lanz dazu bei. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Unterhaltung hierzulande viel mit Leiden zu tun hat.

Volltext-Quelle


Aktualisiert 05.11.2012 14.12
04.11.2012, 20:46 von Relax-Senf | 73533 Aufrufe

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