Dienstag, 12. Dezember 2017, 09:24
 

sueddeutsche.de 21.03.2012
Doktorarbeit nach dem Studium -
Wann sich eine Promotion wirklich lohnt - Volltext-Quelle

und

Tages-Anzeiger 13.08.2012
Doktor Arbeitslos 
 - Volltext-Quelle

 
Relax-Sicht zu Doktor Arbeitslos!
Lohnt siche eine Promotion?


Zwei Artikel die den Impuls für einen Kommentar auslösten. Der SZ-Beratungsartikel umfasst gut aufbereitete Aspekte die es zu berücksichtigen gibt, bevor man / frau sich für ein Promotions-Projekt entscheidet. Aufgefallen ist mir dabei die Feststellung:

"Promotionen aus Mangel an Alternativen gehen in 95 Prozent der Fälle schief." 

Im TA-Artikel kommt ein Mann zu Wort, der wegen mangelnder Anstellungsalternativen eine Doktorarbeit angepackt und erfolgreich abgeschlossen und anschliessend erneut keine Arbeitsstelle gefunden hat. Eine bittere Erfahrung. Im Artikel "Doktor Arbeitslos" lernt man dann, dass Arbeitslosigkeit d.h. keine realisierte Festanstellung am Anschluss ans abgeschlossene Studium nicht eine unerklärliche Ausnahme ist sondern ein seit Jahren anhaltendes Phänomen. Der Anstieg der Promotionszielverfolger schafft - trotz vieler Promotionsaussteiger - eine stetig wachsende Zahl von arbeitslosen Doktoren, die in Deutschland beim Arbeitsamt und in der Schweiz beim RAV landen. 

Etwas schnoddrig muss ich festhalten, was der Vorwurf in der Praxis ist:
Zu qualifiziert für normale Jobs und zu praxisfern für einen anspruchsvollen Job. Das ist sicher hart formuliert, entspricht aber der Denkweise der Entscheider in der Wirtschaft.
 

Aus meiner Management-Praxis gebe ich den Rat, dass man in der frühen Phase der Suche ein Feststellenangebot sorgfältig prüfen und trotz möglichen Abstrichen bei der "selber erarbeiteten Zielanstellung" ohne ungebührliches Zögern akzeptieren sollte. Eine Festanstellung und damit die Chance praktischen Lernfortschritt zu erarbeiten, ist ein unverzichtbares Schlüsselkriterium, um den Weg zur Karriere betreten zu dürfen. Daran scheitert es jedoch oft, weil die Suchenden mit falschen Vorstellungen unterwegs sind, mit falscher Eigeneinschätzung, mit falschem "Marktwert-Gefühl" für Abschluss oder Diplom.

Wie Sohnemann (mit FH-Abschluss) mehr als einmal im Gespräch meinte, muss man Uni-Hohlkreuz-Akademiker immer mal wieder zuerst beibringen, wie das Bleistiftspitzen zu handhaben ist. Oder dass die Arbeit nicht zu einem kommt sondern man(n) / frau der Arbeit entgegengehen muss. Man muss zusätzliche Aufgaben / Arbeit suchen, muss sich anbieten. Wer z. B. im Praktikum nur sein Soll erledigt, muss sich nicht wundern, dass die Praktikumsanstellung schlicht wie zeitlich vereinbart ausläuft. Die nächsten Akademiker, die das Soll günstig erledigen, warten bereits vor der Türe.

Stellensuchende Akademiker (UND freigestellte, gefeuerte Manager mit Praxis) zeigen immer wieder die Einstellung, dass sie ja alle Zeit der Welt zur Verfügung haben um die richtige, ihnen zusagende Stelle zu finden. Dabei ist es wie auf dem Heiratsmarkt. Wer ewig sucht, glaubt ständig daran, die bessere Alternative befände sich im noch unerforschten Teil der Pipeline. Heiratsmarkt und Stellenmarkt folgen vergleichbaren Rasterauswahlverfahren. Wer sich zu lange frei verfügbar auf dem Nachfragemarkt bewegt - für den prüfenden Betrachter ewig und unentschlossen - löst – mit und ohne Grund – bei der anderen Seite Zweifel aus, ob man sich da nicht ein Problem ins Haus holt, denn begehrte „Performer“ sind nie lange auf dem Markt. Sie sind rar und was rar ist, ist ruckzuck weg und was lange niemand will, wie abgestandenes Bier, wird auch dort gemieden wo Bedarf vorhanden ist. Die Möglichkeit erscheint suspekt! Als Untrenehmer / Manager hat man Angst die Arschkarte zu ziehen.

Auch in der eigenen Anstellungspraxis habe ich mich trotz erkennbaren positiven Kriterien, da und dort gegen die vom Interviewten „erbetene“ Chance-zum-Zeigen-dürfen entschieden. Grund dabei das Bauchgefühl bei der Einschätzung von Persönlichkeitsmerkmalen, welche einen schauspielerisch einstudierten Auftritt erkennen liessen, als Vorbereitungsanstrengung nach vielen Absagen und nach Besuch von vielen Coaching-Bewerbungseinheiten.

Charakter-Einschätzung und Rollenspiel-Wertung führen dann halt beim Einstellungsprofi zum Schluss: Kandidat ist für die Firma bereits morgen wieder verloren, wenn sich bei irgendeinem Kriterium die Nuance einer Verbesserung durch Stellenwechsel anbietet.

Bei frischer und gesuchter Ware, hat man gar keine Zeit um solche Gedanken anzustellen. Es droht das Risiko durch Behäbigkeit einen guten Humankapital-Abschluss zu vermasseln. Akademiker haben mit erfolgreichem Abschluss erst bewiesen, dass sie das Lernen und das Abspeichern gelernt haben. Ob sie es abrufen und brauchbarer Nutzung zuführen können, müssen sie zuerst noch beweisen und dazu braucht es einen Arbeitsplatz und der befindet sich beim Start nicht auf dem Olymp.


Eine realistische Suche zu Beginn und das Akzeptieren einer Stelle als Assistent vom Sachbearbeiter, ist nicht eine unzumutbare Herabstufung von akademischen Status sondern der Beginn einer kritisch wichtigen Lern- und Ausbildungsphase. Der gute Sachbearbeiter verfügt an seinem persönlichen Arbeitsplatz über ein Wissen, das in der Addition aller Sachbearbeiter wesentlich den Wert von Unternehmen ausmacht sofern die Arbeitsplätze Wissen und Anwendungsfähigkeiten bedingen.


Um akademisches Wissen in Unternehmer-Anwendungsfreiheit einbringen zu können, braucht es vorher einen überzeugenden Leistungsausweis auf verschiedenen Stufen der Karriereleiter. Auch wenn man als Chef nicht mehr die Detailkenntnisse vom Sachbearbeiter hat (haben muss), ist man als C
hef immer auf verlorenen Posten, wenn das "Gspüri" für die Werthaltigkeit der Aussagen der Mitarbeitenden fehlt.

Doktores steigt weiter unten ein, was nicht nur zu einer Anstellung führt sondern sich als verzögerter Karriere-Turbo-Effekt bemerkbar machen wird. Öfter auf jeden Fall, als bei jenen welche lästige Dienen-Funktionen einfach überspringen wollen.
      

16.08.2012, 21:41 von Relax-Senf | 51028 Aufrufe

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