Samstag, 20. Juli 2019, 18:25
 

Banker und  Zocker sind längst nicht an allem Schuld!

S. von Relax 


Den Aufschrei der Bürger im Lande, über die hanebüchenen Zustände im Bankwesen in der Schweiz, verstehe ich sehr gut. Trotzdem bin ich mal wieder der Ansicht, ich müsste aus der Reihe tanzen und etwas gegen den pauschalen, negativ besetzten Begriff „die Banker“ unternehmen. Mit meinem Einstehen für die Banker bin ich zu einem Image gekommen, mit der man mich unbesehen und ungeprüft  in einer Schublade ablegen kann. Doch Schein und Wirklichkeit trügen nicht selten. Mein Vater war Fabrikarbeiter und wurde krankheitsbedingt mit 46 Jahren der IV überlassen. In den Fünfziger Jahren gleichzusetzen mit schmerzender Armut, Um dieser zu entrinnen, war Eigeninitiative gefragt. Das Schicksal in die eigene Hand nehmen. Die Gesellschaft fühlte sich nicht verantwortlich für das Wohlergehen der Jammerer zu sorgen. Meine Mutter hat dann bei Vaters Arbeitgeber eine Stelle als Putzfrau erhalten, damit sie für die Familie den essentiell nötigen Zustupf zum Überleben verdienen konnte.

Von der Erziehung und der Haltung meiner Mutter bin ich geprägt. Statt einem Mann im besten Alter, hatte sie einen kranken Mann zuhause, den es 7 Tage die Woche zu versorgen galt. Mit einem Haushaltsbudget, das täglich die Grenzen bei der Versorgung der Familie aufzeigte, Als dieser Lebensabschnitt begann, wurde ich gerade mal eingeschult. Doch mit 7 Jahren alt genug, um die Lebensumstände mitzubekommen und bis heute im Speicher zu behalten. Ferien ein Fremdwort für meine Mutter, genauso wie mal Füsse hochheben und verwöhnt zu werden. Trotzdem habe ich meine Mutter ein ganzes Leben lang nie Jammern hören. Ich bin stolz auf meine Eltern und insbesondere auf meine Mutter. Auch während Erfolgszeiten in meinem Bankerleben, habe ich nie die Lebensumstände, den Lebenskampf und den Putzfrauenstatus meiner Mutter verleugnet. Umgekehrt habe ich sehr wohl früh im Leben mitbekommen, wie man nach der sozialen Herkunft katalogisiert wird. Wobei ich diese frühe und sehr lehrreiche Erfahrung, nicht meinen Mitschülern sondern deren Eltern zu verdanken habe. 

Warum ich dies hier ausbreite? Es geht mir auf den Sack, wenn mir im Speziellen und jedem Banker im Allgemeinen unterstellt wird, dass jeder Banker von den Sorgen und Nöten der Normalverdiener nichts verstehen würde, weil Banker nur ein Leben in Saus und Braus kennen. Es ist berufliches, philosophisches und Hobby-Interesse von mir, die Gesellschaft als Ganzes im philosophischen Blickfeld zu haben. Schwergewichtig ergänzt durch die Beobachtung von Individuen , denen ich geschäftlich und im privaten sozialen Kontakt begegne. Deswegen beziehe ich mich auf mehr als nur Einzelfälle, wenn ich feststelle, dass das Jammern in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Die Schuld für die Unzufriedenheit und die Benachteiligung im Leben, wird überwiegend im Fehlverhalten der Anderen und in deren unverdientem Glück gesucht. Womit ich beim Thema Bankenkrise angekommen bin. Ein Thema, das auf dem von mir frequentierten und geschätzten
Zappadong Blog, immer wieder kontrovers diskutiert wird. So finden auch aktuell hitzige Wortgefechte statt, was mich zur philosophischen Betrachtung gewisser Reiz-Begriffe animiert hat.

Festhalten möchte ich, dass ich seit über zwanzig Jahren Selbständigerwerbender und kein Banker mehr bin. Von den kritisierten Boni-Übertreibungen habe ich nicht profitiert. Mein Boni bestand aus wenigen zusätzlichen Monatslöhnen. Was natürlich damals auch als fetter Boni anzusehen war. Für Boni trete ich ein, weil es den Unternehmen mehr Flexibilität bei der Bezahlung gibt und die Mitarbeiter besser für Einsatz und Gewinnbeitrag entlohnt werden können. Gleichzeitig ist es die elegante Möglichkeit, den faulen Säcken die rote Karte zu zeigen. Einerseits um sie damit zu mehr Einsatz in der Zukunft zu motivieren oder den Scheintoten zu vermitteln, die Suche nach der richtigen Stelle auf dem HR-Markt aufzunehmen.

Zweifellos ist es bei der Boni Entwicklung zu Übertreibungen gekommen. Zum Nachteil von Unternehmen und deren Aktionären. Dass jedoch der Staat oder eine Minter-Abzocker-Initiative bestimmen soll, wie hoch ein Boni sein darf, halte ich schlicht für eine Schnapsidee.

Quelle Fakruechte:
Der Kommunismus ist doch vor zwei Jahrzehnten mit Pauken und Trompeten gescheitert und jetzt gibt es landauf, landab Frustaktivitäten, welche erneut das Ziel der gesellschaftlichen Gleichmacherei betreiben. Man will paradiesische Zustände erreichen, wo das Paradies Lenkungskomitee dafür sorgt, dass es keinem besser oder schlechter geht, wie jedem Paradieser und jeder Paradieserin. Wer mehr leisten will, wird auf Zuneigungsentzug gesetzt und die Zuteilung der Paradiesfrüchte wird eingeschränkt. Für die Überwachung der Einhaltung der zementierten Paradieszustände, haben sich so viele Paradieseinwohner gemeldet, dass die verfügbaren Posten verlost werden mussten. Abgelehnt wurde der Vorschlag, auf die Paradieskontrolle könnte verzichtet werden und stattdessen setze man auf das bewährte Kommunistensystem, dass alle sich gegenseitig überwachen könnten. Wer am meisten Beobachtungen beisteuert, würde mit zuteilungspflichtigen Paradiesvergünstigungen belohnt werden.
Ende



Banker, Börsen und Zocker sind unverzichtbar


Bei all dem Schimpfen und den boomenden Banker-einsperren-Parolen geht Grundsätzliches  vergessen. Es geht schlicht nicht ohne die zurzeit gesellschaftlich geächteten Finanzdienstleister. Ohne Banker und Börsen könnte keine Volkswirtschaft bestehen und das  ganze Rentenvorsorgesystem würde in die Knie gehen. Pensionskassen und die zukünftigen Rentner sind dringend auf Börsenrendite angewiesen . Inklusiv der AHV. Die Berechnungen der Illusionisten die behaupten, die AHV sei auf lange Zeit ohne Beitragserhöhung finanzierbar, leiten ihre These von unrealistischen Renditeprognosen aus Börsen-/ Wertschriften -Transaktionen ab. Dabei ist der Angedachte Ertrag nicht mal  zu Börsenboomzeiten sicher. Könnten Banker und Anlageberater sicher eine Trefferquote von mindestens 51 Prozent hinbringen, würden sie scharenweise ihre Bankanstellung aufgeben und zuhause vom bequemen Sessel  aus, ein verlässliches Einkommen generieren. André Kostolany +, Börsenspekulant mit Kultstatus – mit selbst gewählter Berufsbezeichnung „Börsenspekulant“ ,  sagte: Bei 49 Prozent meiner Geschäfte erleide ich Verluste. Bei 51 Prozent gewinne ich. Von der Differenz von zwei Prozent Nettogewinn lebe ich gut.

Wer nicht das Geld für eine breit gestreute Anlagestrategie hat, wer nicht auf das Geld für „einige“ Zeit verzichten kann und wer nicht die Nerven für grosse Schwankungen hat und beim Geld anlegen keine Verluste verkraften vermag, sollte die Finger von der Börse lassen. 
 
Grosse Teile der Bevölkerung ignorieren die Möglichkeit eines Verlustes bei Anlagegeschäften. Sie glauben, dass man mit Abschluss eines Börsengeschäfts ein Anrecht auf Ertrag und Gewinn erwirbt. Dabei ist ein Börsengeschäft grundsätzlich eine Wette. Ein Fakt der selbst vielen Akademikern gar nicht oder zumindest ungenügend klar ist. Damit alle, inklusiv Opa, Oma und Enkel, Börsenwetten abschliessen können, braucht es Zocker auf der professionellen Ebene. Huch, das Wort Zocker und schon wieder sind  viele Leser bei 180 Grad Wuttemperatur angekommen. Ich wähle dieses Wort bewusst, weil eine Börse ohne Zocker gar nicht funktionieren kann. Gemeint ist: Wenn alle Bürger verkaufen wollen, bricht der Markt zusammen, wenn niemand einen Preis zum Kaufen stellt, um die angebotene Ware,  an der Börse Wertschriften, abnimmt.

Wenn aber jemand diese eminent wichtige Marktfunktion wahrnimmt, dann ist er bei Verlusten ein Zocker, der nach Volkes Meinung gerädert, geteert und gefedert gehört,  Dieselbe Prozedur wünscht man dem Zocker aber auch, wenn er die Not (!?) der Leute ausnützt, die unbedingt verkaufen wollen um ihren Verlust zu begrenzen und wenn der Zocker mit seiner Spekulation richtig liegt und anschliessend viel Geld verdient. Geld, das den "armen" Anlegern gestohlen wurde. Es gibt keine "arme" Anleger. Wer an die Börse geht, will zocken, Hofft, dass sie/er als Gescheite(r) von der Dummheit der Anderen profitieren kann, indem die Gegenpartei zum falschen Zeitpunkt etwas kauft oder verkauft. Wer von den Akteuren richtig liegt, ist zum Zeitpunkt vom Wettabschluss offen. Einer von zwei hadert jedoch mit zeitlicher Verzögerung mit dem Schicksal, bzw. mit falschen Einflüssen, falscher Beratung, mit den Bankern.



Mitmachen und gewinnen (!?) oder nichts Machen und motzen

Die Börse ist ein legales Casino mit der staatlichen Lizenz, dass alle Bürger zocken dürfen. Die einzige Bedingung ist, man muss über Spielkapital verfügen. Ob gesunder Menschenverstand oder gar Sachverstand vorhanden ist, wird nicht überprüft. Schliesslich leben hier freie Bürger, die ihr Glück in Eigenverantwortung suchen und finden wollen. Siegen, gewinnen, abheben, herausragen, gieren, alles menschliche Triebe, mit positiven und negativen Begleiterscheinungen. Wie man das im Alltag sieht, eng – grosszügig – gar nicht,  ist abhängig von den Umständen und aus der Sicht wahrnehmender Dritter immer komplett divergierend.  

Rufen wir uns in Erinnerung. Das Lotterie- und Casino-Geschäft in allen Staaten dient nicht dazu um einzelne Personen zu glücklichen Menschen zu machen sondern um den Staats- und Steuersäckel zu füllen. Ist jeder Lottospieler gierig oder nur auf der Suche nach etwas pekuniärem Glück? Im Bekanntenkreis gönnen wir das selbstverständlich  JEDEM, wenn wir uns öffentlich dazu äussern müssen. Gönnen wir wirklich jedem das Glück, dass er ohne Arbeit zu Klotz kommt? Nein, wir gönnen es nicht jedem Bekannten und wir gönnen es höchst selektiv einem im Auftritt "bescheidenem" Nachbarn! Mit zunehmendem Netzwerkabstand gönnen wir das Glück den Leuten immer weniger bis gar nicht.

Gier, Spielsucht, Lotteriesucht! Es gibt sie in grossem Umfang. Diese Zocker mit kleinem Geld können krank sein und ihrer Familie grossen Schaden zufügen. Der Gewinn fällt beim Staat an. Unmut oder gar Proteste gegen den Staat als Abzocker, der immer gewinnt, sind mir nicht in Erinnerung.   

Völlig anders sieht es aus, wenn es um Boni, total compensation und Börsengewinne geht.  Die Volkseele kocht und übersieht, dass nur die Nachfragemacht der Masse die Rakete der Unvernunft so weit hat fliegen lassen, wie es passiert ist. Und wenn Raketen der Treibstoff ausgeht, dann stürzen sie ab und geschieht dies aus grösser Höhe, verglühen die abstürzenden Teile durch die Reibungshitze. Seit dem Absturz wird nicht mehr differenziert, dass die Nachfrage nach dem freiwilligen Mitfliegen so gross war, dass die Plätze verlost und zugeteilt werden mussten. Siehe Madoff. Dessen Kadaverprodukte genossen ein Kult-Status bei einem Teil der Banken und insbesondere bei externen Vermögensverwaltern. Diese Situation führte dazu, dass Tag und Nacht neue Raketen gebaut wurden, um die Höchstpreise bietenden Ein-, Auf- und Umsteiger mitnehmen zu können. Als mitten im Flug, die Mehrzahl der Passagiere aussteigen wollten, waren die Raketen nicht mehr lenkbar. Das angerichtete Desaster ist bekannt. Viele Raketenfans versuchen jetzt vor Gericht dazulegen, dass auf Grund ihrer Raketen-Phobie, ihnen überhaupt nie eine Mitfluggelegenheit hätte offeriert werden dürfen, bzw. die Flughafenbehörde ihnen den Einstieg in die Rakete hätte verweigern müssen. Und bei Ignoranz der lokalen Behörde auf einem Provinzflughafen hätte die allmächtige Weltraumbehörde ihren Abflug verhindern müssen. Sammelklagen sind in Vorbereitung, warum vor dem Abflug keine Fallschirme obligatorisch gekauft werden mussten und warum man dies nicht wenigstens während dem Flug nachholen konnte. 

Was will ich mit der Metapher sagen?

Eigenverantwortung, ein Wort das viele Leute lesen und schreiben können, aber nicht verstehen.

Jeden persönlichen Entscheid, immer auf Risiken untersuchen und einer Risikokategorie zuordnen. Fehlanzeige. Dabei gehören Risiken zum Leben wie das Atmen.

Die Gier der Banker steht am Pranger. Falsch. Die Banker hätten nicht ständig verrücktere Raketen gebaut, wenn die GIER DER ANLEGER nicht den Treibstoff für die Raketen abgegeben hätte. Eine schlechte Kaufakzeptanz der angebotenen Produkte, hätte das Angebotsverhalten beeinflusst.   

Die Banker werden wieder Raketen bauen, weil die Gier der Anleger nach einer überdurchschnittlich sprudelnden Renditequelle schon bald wieder obsiegen wird über Bedenken und der individuell zu beachtenden Risikobegrenzung. 

 

Teil 2 folgt

 

19.08.2009, 02:17 von Relax-Senf | 1456 Aufrufe

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