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Fünfzig Prozent der Chefs gehören gefeuert!

Sich mit guten Leuten umgeben,
ist Voraussetzung für Aufstieg und anhaltenden Karriereerfolg 

In der Empfehlung von Jack Welch - sich mit guten Leuten umgeben - liegt definitiv der Schlüssel zum Erfolg. Sicher mehr als 50 Prozent der Chefs in Amt und Würden gehören gefeuert, weil sie genau dies nicht machen. Zu viele Personen werden nur deswegen Chef, weil sie zufälligerweise zur rechten Zeit am richtigen Ort sind. Dagegen ist nichts Grundsätzliches einzuwenden, wenn nicht Eines oder gar beide der folgenden zwei Kriterien im Spiel sind. 

1. Die Beförderung wurde durch den gegebenen Chef nach dem Hauptkriterium initiiert, einen ungefährlichen, schwachen Kandidaten auf den Schild zu heben, dessen Energieleistung sich darauf beschränken muss, auf Zeichen hin Ja-Sagen zu können.

2. Trifft Punkt eins nicht zu, ist da immer noch die Hürde, dass es nach der ersten Beförderung ein erhebliches Mass an Eigenenergie und Selbstmotivation braucht, um "on the job" zu lernen, Teammitglieder zu führen, zu begeistern. Dazu gehört unbedingt die Fähigkeit zuhören zu können, auch nicht ganz Stil  sichere Kritik entgegennehmen zu können, während es umgekehrt s e h r  wichtig ist, auch sehr berechtigte Kritik mit Empathie und Ziel führend anbringen zu können.

Während man sehr viel on the job und durch eigene Weiterbildung sowie vom Arbeitgeber gesponserte Seminare lernen kann, gibt es eine grosse Schwäche, die meine 50 Prozent Austauschquote begründet.

Es ist geradezu eine Seuche, dass zu viele Führungskräfte - auf allen Hierarchiestufen - ein ausgeprägtes Führungsdefizit besitzen, indem sie erkennbar gute Leute letztlich lieber nicht einstellen, weil sie Angst vor deren Qualitäten haben. Dabei wurde gemäss Anforderungsprofil eine "Eierlegende Wollmilchsau" gesucht!  Findet man als Headhunter ein solches rares Exemplar, tauchen häufig irritierende Erklärungen auf, warum der Kandidat nicht passt. Wobei natürlich ein nicht definierbares Bauchgefühl betreffend die zwischenmenschliche Harmonieebene allemal reicht, dass man "lieber" den deutlich schwächeren Kandidaten anstellt, anstatt jemand ins Team zu holen, der offensichtlich über Potenzial für mehr verfügt als nur für die aktuelle Vakanz.

Der beliebte Begriff Teamfähigkeit ist ein weiterer Killer um die Kompetenz und die Power von Teams und deren Chefs zu erhöhen. Gerne werden möglichst nicht unterscheidbare Neuzugänge – d. h. flexible Personen ohne Ecken und Kanten -  bevorzugt. Dabei tritt die Suche nach Fähigkeiten und Leistungsausweis in den Hintergrund, es muss einfach eine pflegeleichte Person sein, die weder gegenüber dem Chef noch gegenüber dem Team eine eigene Meinung vertritt, Dinge infrage stellt oder gar für neue Impulse sorgt. Das würde den eingelullten Betriebsfrieden erheblich stören.

Die Firmen und ihre Chefs suchen mitnichten die besten Leute, wie es in Imagebroschüren und auf Homepages gerne klar und deutlich dargestellt wird. Wenn dann noch im Interview stolz darauf hingewiesen wird, dass Headhunter wegen dem guten Betriebsklima keine Chance bei Abwerbeversuchen haben, sollte man unauffällig aber schnell das Gespräch abbrechen.

Was als beispielhaftes Betriebsklima dargestellt wird, ist in Wahrheit nichts Anderes als ein Betrieb, in welchem sich zufrieden Nachwuchs fürs Altersheim tummelt, überdurchschnittlich viele Personen die unmotiviert und mit Leistungsbremse darauf achten, dass immer alles beim Alten bleibt, weil es ja schon immer so war, wie es auch heute noch eingefahren und abgeschliffen gemacht wird.

Wer sich nicht mit guten Leuten umgibt, wird in der Regel auch keine grosse Karriere machen. Dies trifft auch zu, wenn man die eigenen guten Leute nicht „frei“ gibt für Aufstiegspositionen ausserhalb der eigenen Abteilung und eine Kündigung wird gar als Fahnenflucht gesehen und mit sozialem Kontaktabbruch bestraft. Dieses Verhalten schadet dem schwachen Manager und dessen Arbeitgeber.

Wer sich immer mit „hungrigen“, d. h. guten und leistungswilligen Leuten umgibt, diese Leute aktiv beim Fortgang und Weiterkommen unterstützt, der/die tut das Richtige für die eigene Karriere und für den Erfolg der Firma. Dies entspricht auch der Erfolgsphilosophie von Jack Welch, einer Managerlegende von der man schlicht viel lernen kann.
     


manager magazin 10.06.2010 

Eine Stunde mit Jack Welch

Sich mit guten Leuten umgeben

Von Frank Arnold

Ehemaliger GE-Chef Welch: Er machte die gute Ausbildung von  Führungskräften zu einem Markenzeichen des Unternehmens
AP

Ehemaliger GE-Chef Welch: Er machte die gute Ausbildung von Führungskräften zu einem Markenzeichen des Unternehmens

Wie erklären sich die Lebensleistungen so unterschiedlicher Menschen wie Warren Buffett und Herbert von Karajan, Bill Gates oder Hillary Clinton? manager magazin präsentiert Auszüge aus dem Bestseller "Management - Von den Besten lernen". Lesen Sie im fünften Teil, warum für Jack Welch Personalpolitik immer Chefsache war.

Volltext-Quelle

11.06.2010, 01:17 von Relax-Senf | 627 Aufrufe
Bewertung: 1 2 3 4 5

Kommentare

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Thinkabout 15.06.2010, 00:25
@Alle:
Was ich mir rausgeschrieben habe aus dem Artikel:
Zitat:
Da Menschen immer nur ganz wenige Stärken haben, muss man diese Stärken zunächst herausfinden, damit man die Person anschließend dort einsetzen kann, wo genau diese Stärke gebraucht wird.
(Zitat Ende)
Womit wir beim Chef sind, der viele Dinge viel schlechter kann als seine guten Mitarbeiter. Und das ist völlig in Ordnung so.
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Thinkabout 15.06.2010, 00:23
@Claudia - ja, so ist es. Solche Unternehmer hören sich je länger je mehr selber und dabei wiederholen sie sich immer häufiger...
Gesamtwirtschaftlich ist der Mechanismus, indem der Markt das regelt, in Ordnung. Im einzelnen Fall ist es intern ein Drama, weil ein an sich nicht wurmstichiger Baum kein Wasser bekommt und der Nachwuchs das Gärtnern wo anders fortsetzen muss - unter Umständen.
Durch soleche Fehler greifen auch die Globalisierungsmechanismen, die Relax-Senf beschreibt, schneller und tiefer durch...
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Karin 14.06.2010, 20:19
@ClaudiaBerlin: Ich gebe Dir völlig Recht, dass das Beibehalten alter Strukturen und Sortimente heute den sicheren Untergang einer Handelsfirma bedeuten. Es muss immer was Neues her, sonst ist es schnell nicht mehr möglich, die Umsätze zu halten oder gar zu steigern. Leider ist das neue Produkt selten besser als das alte, sehr zum Leidwesen der Konsumenten. Aber da schon längst nicht mehr das produziert und auf den Markt gebracht wird, was wir benötigen, (wir haben ja schon alles, sind gesättigt) sondern das, wofür erst ein Bedürfnis geweckt werden muss, für das ein beträchtlicher Werbeaufwand betrieben wird, werden die Produkte zunehmend effektiv teurer, bei schlechterer Qualität.
Damit sie im Laden aber nicht teurer werden, müssen Arbeiter zu niedrigeren Löhnen fertigen und die Umwelt wird durch zusätzliche Transporte belastet.
In einem auf stetigem Wachstum basierenden Markt gibt es keinen anderen Weg, solange wir Alle nicht bereit sind, höhere Preise zu bezahlen. Ob er auf Dauer gut ist, wage ich zu bezweifeln.
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Relax-Senf 14.06.2010, 01:31

@ ClaudiaBerlin: Das ist ein wichtiger zusätzlicher Aspekt den Du aufbringst, welcher nicht in wenigen Zeilen abgehandelt werden kann. Auch, weil ich "zufällig" hinter der Frage/Aussage sehr wichtige Elemente ausmache, wie sie von Dir an anderer Stelle erwähnt worden sind.

Es hat mit Globalisierung zu tun und da gibt es Gewinner und Verlierer. Wobei die CH und EU Verlierer, gefliessentlich darüber hinweg sehen - anders gesagt, nicht bösartig aber schlicht oft nicht in der Lage sind zu erkennen, dass die Produktverbilligungen ja das eigene Budget entlasten - und nur so bei stagnierendem Einkommen der Konsum weiter läuft.

Ob man es mag oder nicht, ein Blick zurück in der Geschichte zeigt die grossen Veränderungen und die stehen Europa bevor. Nicht morgen, nicht übermorgen... aber sie kommen. Deswegen, wer schon jetzt begreift, dass die Flexibilität ansteigen muss, dass Patrons, Angestellte und Selbständigerwerbende sich auf den Innovations-Tsunami aus Asien einstellen müssen, der wird besser damit umgehen können und zum Teil sogar mit eigenem Erfolg einen Vorteil daraus ziehen können.

Und dies machen die Schwellenländer Aufholjäger vor. Viele Meinungen und Ideen zulassen, aber an einem Strang in eine Richtung ziehen, wenn das Ziel festgelegt ist.

Dies ist an dieser Stelle kein befriedigender Kommentar, aber die facettenreichen Auswirkungen, die ich auch spüre, lassen kein einfaches "Schwarz-Weiss-Schema" zu.

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ClaudiaBerlin 14.06.2010, 00:57

Vielleicht ist das ja ein ganz gewöhnlicher Verlauf in der Evolution der Wirtschaft? Wer nur noch den Status Quo halten will, insbesondere in Bezug auf die eigene Person und deren Macht/Einfluss/Reputation, der hat sich von DER SACHE, um die es in einem GUTEN Unternehmen gehen sollte, innerlich längst verabschiedet. Es folgt Verknöcherung/Versteinerung, die irgendwann das ganze Unternehmen in den Untergang führt. Denn immer gibt es irgenwo hungrigere, engagiertere Menschen, die noch mehr auf ihre Chancen als auf ihre Bestände abfahren - und die solche sklerotischen Unternehmen dann eben überflügeln, an die Wand und aus dem Markt drängen.

Ist es so? (und ist es nicht GUT SO?)

Was meinst Du? Was meint Ihr?

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Relax-Senf 14.06.2010, 00:38

@ Karin: Du hast den wunden Punkt bei den Patrons getroffen. Bei allen Qualitäten, über die Gründungsunternehmer sicher verfügen und die sie dazu befähigen, ihre Idee umzusetzen und ihr Unternehmen durch die extrem anspruchsvolle Startphase zu manövrieren, braucht es ab einem gewissen Erfolgspunkt noch weitere Qualitäten. Nobody is perfect. Der Chrampfer und alles-selber-Macher ist Motor und Impulsgeber über eine gewisse Zeit. Doch irgendwann braucht es zusätzliche Manager, die nicht einfach ein Clon vom Gründer und Patriarch sein können und auch nicht dürfen. Erfolgreiche Macher haben mehrheitlich Mühe, die uneingeschränkte Alleinkontrolle in ein Mehrkopfsystem zu entlassen. Sei es schon während der Wachstumsphase, wo allenfalls trotz Erfolg die Marktmöglichkeiten ungenügend genutzt werden oder spätestens rechtzeitig, d.h. J a h r e vor einem möglichen Teilrückzug, die Kräfte zu suchen und einzubinden, die das Lebenswerk erfolgreich weiter führen können.

Eine rühmliche Ausnahme die mir spontan einfällt, ist Daniel Borer der Gründer von Logitech. Er hat als Logitech in der Krise war, externe Profis gesucht und Power ausgestattet. Zum Vorteil von Logitech und seinen Interessen als Grossaktionär.

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Karin 13.06.2010, 17:13

...Meinungsverschiedenheiten zu wollen, um zu besseren Entscheidungen zu kommen, ist eben ein wesentlicher Teil kompetenten Managements...

Etwas, was meiner Erfahrung nach bei dem KMU's völlig vergessen geht. Da gibt es die sog. Patrons, die Königen gleich herrschen und deren Meinungen über allem stehen. Natürlich ist es auch absolut verboten, klüger oder besser als der Chef zu sein. Bei der Suche nach dem Nachfolger beginnt dann der ernüchternde Leidensweg, denn eine Nachfolgeregelung ist praktisch nicht möglich. Daran kranken (und scheitern) ca. 80% der KMU's.

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